Die Oberuferer Weihnachtsspiele, deren Darstellung zurückweist bis in die Anfänge des Volksschauspiels, hatte Karl Julius Schröer in dem abgelegenen Orte Oberufer auf einer Donauinsel bei Pressburg kennen gelernt und 1858 in dem Buche "Deutsche Weihnachtspiele aus Ungern", Verlag Keck und Compagnie, Wien veröffentlicht. Sie haben zum Inhalt:

Paradeisspiel - Ursprung

Es beginnt mit der Schöpfung und unserem Ursprung aus dem Geistigen. Aber nicht nur Schöpfermächte sind tätig sondern auch Gegenmächte. Diese wollen uns mit Versuchung und Verführung an sich binden. In diesem Spannungsfeld gewinnen wir die Möglichkeit der Entwicklung zum freien Menschen. Der Entwicklungsweg zum freien Menschen gerät so zum Kraftakt.
Die Schöpfermächte wollen den tätigen Menschen dabei liebevoll begleiten.

Christgeburtsspiel - Wegmitte und Zeitenwende

Es zeigt unsere inzwischen eingetretene Verlassenheit. Die Gegenmächte haben die Wahrnehmung der Menschen verdunkelt. Das wird differenziert deutlich. Die Wirte sind im materiellen gefangen; ihre Wahrnehmungsfähigkeit ist nicht ausreichend. Maria, vom Schöpfergeist liebevoll begleitet, bittet um Erbarmen. Das Weltenkind wird geboren. Nun gibt es einen Weg zum Geist. Die Hirten, der Wahrnehmung noch fähig, werden tätig und finden das Kind in der Krippe. Dabei verwandeln sie ihr Wesen. Selbst der alte Geselle der Hirten zeigt guten Willen den Weg zu gehen.

Dreikönigsspiel - Zeitenwende und Ziel

Es zeigt das Spannungsfeld zwischen den Weisen, die das geborene Weltenkind bewusst suchen und sich mit ihm verbinden und den Menschen die den Gegenmächten nahe oder sogar verfallen sind und somit das Kind nicht suchen oder es sogar bekämpfen. Und es zeigt die Begleitung der Schöpfermächte und die der Gegenmächte. Damit beschreibt es exakt unsere heutige Situation und unsere Möglichkeiten. Der Weg zum Kind ist selbst für die noch offen, die für Gegenmächte arbeiten. Dies bedarf aber individueller Erkenntnis, Umkehr und Verwandlung des Wesens, die über den Tod hinaus wirkt. Herodes schafft es nicht; wohl aber der Hauptmann. Deshalb, seid fröhlich und jubilieret!